Auf kulinarische Entdeckertour im Baskenland

San Sebastian und das Baskenland im Norden Spaniens standen schon sehr lange auf meiner Bucketliste. Nicht nur einmal wurde mir nahegelegt „Du musst nach San Sebastian, das ist genau das Richtige für dich!“, weil es eben  der 7. Himmel für Foodies wie mich sein sein soll. San Sebastian ist die Pintxos Hochburg schlecht hin. Pintxos sind Tapas ähnliche Snacks, jedoch etwas kleiner, die oft auf einem Stück Brot mit einem Zahnstocher durchbohrt serviert werden. Außerdem gibt es dort die höchste Sterne-Dichte der Welt, gemessen an Sternerestaurants bezogen auf die Einwohneranzahl. Klingt diese Kombination nicht nach einem Schlemmer Paradies?

Tablett mit Pintxos in einer Tapas Bar

Nachdem ich es nun endlich geschafft habe stehe ich vor dem Problem, dass ich dieses Reiseziel gar nicht so wirklich von der Liste streichen möchte: es war zu schön, um nur einmal hin zu reisen und es abzuhaken! Ich war regelrecht im Genuss Himmel. Selten habe ich so gut und vergleichsweise auch noch so günstig gegessen. Und dazu gibt es noch eine traumhafte Kulisse, das Meer, aber eines nach dem anderen.

Alles begann in Bilbao, dort befindet sich der nächst gelegene Flughafen zu San Sebastian. Und wenn ich schon mal hier bin, dann kann ich auch noch eine Nacht verbringen und mir ansehen was Bilbao so zu bieten hat. Und das ist einiges!

Vom Flughafen kommt man dem Shuttle Bus A3247 alle 20 Minuten (6:00 bis 24:00 Uhr) in die Innenstadt. Die Fahrt dauert je nach Verkehr ca. 28 Minuten und kostet 3 € einfach.

Ich war hin und weg von den engen Gassen in der Altstadt, am östlichen Ufer des Rio Nervion. Viele kleine Geschäfte, Bäckereien, süße Cafes und Bars – perfekt zum Bummeln und Shoppen. Mittendrin befindet sich die Kathedrale.  Am Abend erwacht dann das Leben in der Altstadt und besonders am Plaza Nueva. Dann sind die Bars und Straßen voll und laut.

Das absolute Highlight in Bilbao ist das berühmte Guggenheim Museum, ein Kunstmuseum für Moderne Kunst. Hier wird zeitgenössische Kunst aus dem 20. Jahrhundert ausgestellt, darunter viele Skulpturen, Installationen und Videokunst. idealerweise bucht man ein Online Ticket, dann ist man super schnell drin. Für den Besuch sollte man mindestens 1,5 Stunden einplanen, abhängig davon wie fasziniert man dann von der aktuellen Ausstellung ist kann ein Besuch aber auch bis zu 3 Stunden dauern. Mich hat allerdings mehr die beeindruckende Architektur in ihren Bann gezogen. Vier Jahre dauerte der Bau, ein Gebilde aus Titan, Sandstein und Glas direkt am Ufer des Flusses Nervión. Mittlerweile ist das Museum zum Wahrzeichen der Stadt geworden.

Wer sich nicht für die Kunst im Inneren interessiert, sollte zumindest von Außen einen Blick auf das Museum werfen. Zwei mal pro Stunde gibt es auf der Terrasse am Fluss vor dem Museum ein ganz besonders Schauspiel: eine Nebelmaschine sorgt dafür, dass die Fußgänger in eine Nebelwolke eingetaucht werden. Ich war fasziniert, man konnte den Nebel auf der Haut spüren, winzige kühle Tropfen. Außerdem gibt es noch eine neun Meter hohe Spinnen Skulptur von Louise Bourgeois, die nachts eindrucksvoll beleuchtet wird.

Neben dem Guggenheim Museum muss man unbedingt einen Abstecher in Mercado de la Ribera machen, er liegt direkt am Fluss, am Rand der Altstadt. Ich liebe diese historischen Markthallen mit ihren Obst- und Gemüseständen, dem frischen Fisch und vielem Meer. Dieser Stadtmarkt wurde 1929 erbaut und ging dank seiner 10.000 Quadratmeter sogar in das Guinnes-Buch der Rekorde ein, weil es die größte überdachte Markthalle Europas war. Nicht nur die Stände, auch die Architektur ist sehenswert: viel natürliches Licht, Art-déco Ornamente wie Glasfenster und Gitter. In der Gastro-Lounge im ersten Stock gibt es leckere Pintxos, Craft Beer und Cocktails. Perfekt für eine Stärkung während dem Sightseeing.

Restaurant Tipps Bilbao

Monocromo

Das Monocromo ist mein absolutes Lieblingsrestaurant in Bilbao. Ich liebe die schlichte Einrichtung im industrial Look. Viel Beton, schwarz gemischt mit leuchtendem Gelb. Was auf den ersten Blick kühl wirkt, wird dann durch den herzlichen Service abgerundet. Zur Begrüßung gab es super leckere, eingelegte Oliven. Viele Gerichte auf der Karte kann man als halbe Portion bestellen, ideal, wenn man sich wie ich am liebsten durch die ganze Karte schlemmen möchte. Ich kann mich selten für ein Gericht entscheiden, im Monocromo muss man das nicht. Mein Favorit war der Wassermelonen Salat mit Makrele.

https://monocromobilbao.com/

Bascook

Im Bascook Restaurant gibt es Fine Dining für den kleinen Geldbeutel. Besonders, wenn man montags bis freitags das Mittagsmenü bestellt. 2 Gerichte von der Karte, die man frei wählen kann und dazu ein Dessert. Dank einem Gruß aus der Küche ist es sogar ein 4 Gänge Menü und das für 35 €. Man sitzt im stylischen Soutterain, ein bisschen schade bei sonnigen Tagen, aber es hat etwas. Man isst umgeben von Steinwänden, warmen Licht und samtgrünen Akzenten.

https://bascook.com/

Hoteltipp Bilbao

Das Hotel Bilbao Plaza liegt sehr zentral und verfügt über gemütliche, modern gestaltete Zimmer. Preis-Leistung ist perfekt für einen Städtetrip, bei dem man wenig Zeit im Hotel verbringt.

www.hotelbilbaoplaza.com

San Sebastian

Anreise San Sebastian

Von Bilbao fahren täglich einige Busse nach San Sebastian. Die Fahrtzeit beträgt je nach Verkehr ca. 1 Stunde und 20 Minuten. Ich würde gerne behaupten, dass die Fahrt nach San Sebastian tolle Ausblicke bietet, leider ist man hauptsächlich auf der Autobahn unterwegs. Glücklicherweise vergehen knapp 1,5 Stunden sehr schnell und mit jedem Kilometer steigt die Vorfreude auf San Sebastian und die kulinarischen Highlights, die einen dort erwarten. Vom Busbahnhof in San Sebastian ist man dann in wenigen Minuten zu Fuß in der Altstadt.

Fahrplan & Tickets: https://getbybus.com/de ab 7 € für die einfache Fahrt

Sehenswürdigkeiten

San Sebastian hat natürlich noch einiges mehr zu bieten als leckere Pintxos. Für mich hat die Stadt von allem die perfekte Mischung. Angefangen von den traumhaften Stränden, ja, es ist nicht nur einer, direkt in der Stadt befinden sich gleich zwei Strände: Playa de la Concha und Playa Zurriola. Beide sind sogar bei Surfern sehr beliebt. Wenn es also mal nicht warm genug ist um selbst ins kühle Nass zu springen, kann man die Surfer beobachten, wie sie die perfekte Welle jagen. Die Playa de la Concha wird im Westen vom Monte Igeldo eingerahmt, den man mit einer Zahnradbahn erklimmen kann. Von hier bietet sich ein traumhafter Ausblick auf die Dächer der Stadt und den Strand bis hin zum gegenüberliegenden Hausberg, dem Urgull. Dieser rahmt den Strand im Osten ein und beherbergt eine mittelalterliche Burg.

Auch von der Burg hat man eine fantastische Sicht auf die Stadt und die Bucht. Die Strandpromenade ist auch abends einen Besuch wert, wenn sich dann die bunten Lichter im Meer spiegeln und die tosenden Wellen am Strand brechen.

Unterhalb des Urgull Berges befindet sich die Altstadt San Sebastians. Viele kleine Gässchen, Kopfsteinpflaster und natürlich zahlreiche Bars, die besonders abends gut besucht sind. In diesen engen Straßen verliert man die Zeit. Es gibt viele kleine Läden, die man erkunden kann und lokale Spezialitäten, die als Souvenirs in meinem Koffer gelandet sind.

Restaurant Tipps San Sebastian

Gandarias

Die Gandarias Bar liegt im Herzen der Altstadt und ist perfekt für laue Sommernächte. Man sitzt an Hochtischen mitten im bunten Treiben der Altstadt, perfekt um zu beobachten und gleichzeitig leckere Tapas zu genießen. Ausgewählt wird ganz klassisch an der Bar, wo einige der Pintxos ausgestellt sind. Hier gibt es auch eine große Auswahl an iberischem Schinken, der ganz typisch für Spanien über der Bar hängt.

https://www.restaurantegandarias.com/es/

Cervecerias La Mejillonera

Die Cervecerias La Mejillonera ist ein Klassiker in San Sebastian. Die lang gezogene Bar ist immer voll. Hier gibt es Muscheln mit verschiedenen Saucen, aber auch andere Tapas und einfach ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das Ambiente lädt nicht zum langen Verweilen ein, hier geht es mehr um günstiges Essen und darum das bunte Treiben zu beobachten.

Casa Vergara

In die Cas Vergara Bar hat mich das tolle Design gelockt: eine petrolfarbene Bar, bunte Fliesen und Barhocker und eine tolle Stuckdecke. Es war fast so wie einen Wein nach dem Etikett auszusuchen, aber es hat sich gelohnt. Auch die Pintxos und vor allem der Wein waren sehr lecker. Hier wird auch ganz klassisch an der Bar ausgewählt, man hat die Qual der Wahl. Besonders lecker fand ich die Kabeljau Bällchen und ein Glas Wermuth mit einer Scheibe Orange und frischen Oliven.

https://grupogarrancho.com/bares/casa-vergara-1948/

La Cuchara de San Telmo

Unscheinbar, aber bekannt für die besten modernen baskischen Tapas in San Sebastian. Die enge Bar ist leider kein Geheimtipp mehr, dem entsprechend gut besucht. Deswegen kommt man am besten schon früh. Im Gegensatz zu den klassischen Tapas Bars in San Sebastian gibt es in der La Cuchara de San Telmo keine Bar an der Pintxos ausgestellt sind. Dafür gibt es eine saisonal wechselnde Karte und Tapas, die anders sind, als in allen anderen Bars.

Fine Dining in San Sebastian

Neben den vielen Tapas Bars sollte man die Chance nutzen und eines der Sterne Restaurants in San Sebastian besuchen. Besonders für Neulinge ist es eine tolle Möglichkeit Fine Dining auszuprobieren. Viele Restaurants bieten preisgünstige Mittagsmenüs an, perfekt um für wenig Geld Neuland zu betreten. Die Auswahl ist groß, ich hätte sie gerne alle ausprobiert, es sind dann aber zwei geworden, die ich zumindest persönlich empfehlen kann.

eMe Be Garrote

Das eMe Be Garrote besitzt einen Michelin Stern und liegt etwas außerhalb des Zentrums. Es ist aber mit dem Bus gut zu erreichen und lässt sich auch ganz wunderbar mit einem Ausflug per Zahnradbahn auf den Monte Igeldo verbinden. Es gibt vorwiegend runde Holztische. Im Gastraum befindet sich ein riesiges Holzfass und von der Decke hängen zahlreiche, geflochtene Lampenschirme. Ich würde die Atmosphäre als schlicht, elegant und dennoch gemütlich beschreiben, dafür sorgt besonders das warme Licht. Es hat sowohl mittags als auch abends geöffnet. Ich hatte ein Mittagsmenü für 60 €, allerdings finde ich es aktuell nicht auf der Karte, am besten einfach mal anrufen und nachfragen. Das Great Taste Menü bestehend aus 11 Gängen liegt bei 125 €.

http://www.emeberestaurante.com/

Restaurante Kokotxa

Das Kokotxa besitzt ebenfalls einen Micheling Stern und liegt in einem ruhigen Teil der Altstadt. Hier ist es heller, lichtdurchfluteter und die Einrichtung ist sehr maritim. Die Küche ist stark baskisch geprägt, gleichzeitig aber modern und authentisch. Man kann zwischen einem Market Menü für 90 € oder einem umfangreicherem Tasting Menü für 140 € wählen. Egal für welches Menü man sich entscheidet, bei beiden bekommt man ein abwechslungsreiches Menü und elegante sowie gut abgestimmte Gerichte. Sicher ein Besuch, der zu den Highlights in San Sebastian zählen wird.

https://www.restaurantekokotxa.com/

Unbedingt probieren

  • Spanischen Wermuth, er wird mit einer Scheibe Orange und frischen Oliven serviert. Eine Flasche davon ist auch ein nettes Souvenir für daheim gebliebene.
  • Gilda, eines der berühmtesten Pintxos der Stadt: Oliven, Anchovis und Peperoni. Benannt nach dem gleichnamigen Film, der zum Zeitpunkt der Erfindung auf dem internationalen Filmfest in San Sebastian gezeigt wurde. Die Hauptfigur Gilda, eine Frau, war etwas scharf und sehr salzig, die perfekte Namensgeberin.
  • Sidra, spanischer Apfelwein, der aus vergorenen Äpfeln gewonnen wird. Das Baskenland ist bekannt für eine sehr süffige, aber nicht süße sondern herbe Variante, den Sidra natural. Es gibt auch eine industrielle Variante, die ist allerdings mit Zucker versetzt und süßer.

    Mein Tipp: Sidreria Beharri. Hier kommt der Sidra direkt aus den Holzfässern hinter der Theke, die Barkeeper lässt einen Strahl Sidra in das tiefer gehaltene Glas an schießen, dadurch schäumt der Sidra auf und entfaltet sein Aroma. www.sidreriabeharri.com

San Sebastian Cheesecake

Wie gut kann ein Käsekuchen bitte sein, die Antwort ist klar: JA! Den besten San Sebastian Cheesecake gibt es bei La Viña. Ein Stück kostet 5 €, auf den ersten Blick viel für einen Käsekuchen, der ziemlich verbrannt aussieht. Aber der Schein trügt, es ist einer der besten Käsekuchen, so cremig, den ich je probieren durfte. Deshalb gab es auch nicht nur einmal ein Stückchen davon während meines Aufenthalts in San Sebastian. Am besten ein Stück to go mitnehmen und dann irgendwo mit toller Aussicht genießen.

https://lavinarestaurante.com/

Wandern, von San Sebastian nach Pasajes de San Juan

Weil man nicht den ganzen Tag nur essen kann oder sollte, habe ich zwischendurch eine traumhafte, leichte Wanderung von San Sebastian nach Pasajes de San Juan gemacht. Einmal über den Zurriola Strand spazieren und dann links hoch in die Zemoria Kalea. Schon nach einem kurzen Aufstieg wartet ein wunderschöner Ausblick auf San Sebastian und seine Strände auf einen. Weiter geht es entlang der Küste durch ein Waldgebiet bis zum Fischerdörfchen Pasajes de San Juan. Am Wochenende trifft man hier gerne Einheimische. Unter der Woche ist die Strecke kaum besucht, der perfekte Ort, um zur Ruhe zu kommen. Diese leichte Wanderung ist sehr gut ausgeschildert und auch mit rot-weißen Farbstreifen markiert. Für die insgesamt 7 km habe ich ca. 3 Stunden benötigt. Besonders an sonnigen Tagen bietet die Streckenführung ausreichend Schatten, also auch an heißeren Tagen eine sehr angenehme Wanderung. Auf dem Weg gibt es verschiedene Aussichtspunkte mit fantastischen Aussichten auf die Küste.

Ich konnte mich kaum satt sehen, so schön war der Anblick. Bevor man im Fischerdorf, dem Ende der Wanderung, ankommt, steigt man einige Treppen hinab und bekommt nochmal eine wirklich traumhafte Aussicht geboten. Von Pasajes de San Juan nimmt man dann ein Boot, um auf die andere Seite zu gelangen, Pasai Donibane. In diesem Ort gibt es ein paar Bars und Restaurants, in denen man sich stärken kann, bevor es dann mit dem Bus zurück nach San Sebastian geht (ca. 30 Min Fahrtzeit).

Busfahrpläne: https://ekialdebus.eus/es/ekialdebus-e01-pasai-donibane-errenteria-donostia-3/

solo travel Baskenland

Es gibt so viel zu entdecken, besonders kulinarisch, mir war zu keiner Zeit langweilig. Besonders in San Sebastian kann man gut von Bar zu Bar hoppen und dort auch mal mit anderen Gästen am Tresen ins Gespräch kommen.

Ich habe mich immer sicher und sehr wohl gefühlt. Das Baskenland ist genau das richtige Reiseziel für eine Reise alleine, wenn man ein Foodie ist und nach Vitamin Meer sucht.