Essiggurken und französische Küche a la Tim Raue, so könnte man das Konzept der Brasserie Colette München im Glockenbach zusammenfassen. Die Gurken werden sicherlich auf ein wenig Verwunderung stoßen, so ging es mir auch, allerdings wurde ich schnell überzeugt – warum erzähle ich euch in diesem Bericht über meinen Besuch in der Brasserie. Design, Service und natürlich auch die Gerichte haben mich absolut überzeugt, so viel möchte ich schon vorneweg verraten.

Tim Raue

Der ein oder andere kennt Tim Raue sicherlich aus der VOX-Show „Kitchen Impossible“. Der Berliner Sternekoch schreibt Bücher, betreibt weltweit Restaurants und tritt in Fernsehsendungen auf. Er ist bekannt für seine Berliner Schnauze und hält kein Blatt vor den Mund. Genau das finde ich sympathisch. Als Mutter seiner Restaurants zählt das „Tim Raue“ in Berlin. Das Konzept der Brasserie Colette gibt es in Berlin, Konstanz und München.

Raue versteht es zu provozieren und ungewöhnliche Kompositionen zu kreieren. Von sich selbst behauptet er lieber provozieren und übertreiben zu wollen, anstatt durchschnittlich zu sein. Na dann, das klingt doch vielversprechend!

Französische Klassiker im neuen Gewand

Die Brasserie Colette ist ein modernes, französisches Wirtshaus. Französische Klassiker werden gekonnt neu gestaltet und mit einem asiatischen Einfluss aufgepeppt. Tim Raue ist bekannt für ein gewagtes Zusammenspiel aus Süße, Säure und Schärfe.

Dass jede Brasserie Colette Filiale neben einer Residenz für betuchte Senioren liegt, dem Tertianum, ist kein Zufall. Das Gastronomiekonzept stammt aus der Feder von Tim Raue, denn auch im Alter sollte man auf Genuss nicht verzichten müssen. Aber keine Sorge, die Karte in der Brasserie ist alles andere als altbacken oder eingestaubt.

Die Karte in der Brasserie Colette

Endlich komme ich auf die Essiggurken zurück. Ein Gläschen dieser eingelegten Gewürz Cornichons nach dem Original Rezept von Tim Raue gibt es nämlich als Gruß aus der Küche. Ich staunte nicht schlecht, so etwas habe ich noch nie kredenzt bekommen. Wären die Gürkchen jedoch überall so gut wie in der Brasserie Colette, dann würde ich sie liebend gerne in jedem Restaurant zum Einstieg in ein leckeres Menü serviert bekommen wollen. Würzig, fruchtig und mit einem guten Hauch von Schärfe – da ist es wieder, das berühmte Zusammenspiel á la Tim Raue.

Zur Vorspeise gab es Garnele Marocain mit Litschi & Rose. Drei riesige Garnelen, umhüllt von einem Tempurateig und Pistaziensplittern. Dazu feine Litschistreifen und ein Hauch von Rose – ein absolutes Gedicht. Gefolgt von Pulpo, Kalbskopf Sud, Sauce Béarnaise & Topinambur – leicht und köstlich. Hier stand die Säure, für die Tim Raue so bekannt ist, deutlich im Vordergrund.

Der Hauptgang lässt Geschmäcker streiten, serviert wurde mir ein Cebu Iberico Schweinebraten mit Blaukraut und Kartoffel. Der Teller der vor mir stand war ein Genuss für’s Auge. Auch die Beilagen, das Blaukraut, das so gar nichts mit einem klassischen zu tun hatte und das köstliche Kartoffelpüree suchen ihresgleichen. Das Fleisch jedoch ist einfach Geschmackssache. Ein Cebu Iberico besteht hauptsächlich aus Fett, in der Brasserie Colette wird es wahnsinnig zart serviert, so dass es auf der Zunge vergeht.

Zum Dessert wurde ich dann noch einmal richtig überrascht. Die Crème Brûlée ist ohne Frage optisch und geschmacklich ein gelungener Abschluss. Sie vereint warm und kalt und ist zugleich knusprig und zart schmelzend. Das Highlight war jedoch ein völlig unscheinbares Gericht, dass es leider nur auf der saisonalen Karte gab: Apfelkücherl.

Wer jetzt denkt, dass drei in Teig ausgebackene Apfelringe auf einem Teller kreativ angerichtet an den Tisch kamen, der irrt sich gewaltig. Man stellte mir zwei einfache weiße Schälchen vor die Nase. In einem befand sich der ausgebackene Apfelkücherlteig, im anderen Vanilleschaum auf geliertem, grünen Apfel. Letzteres hätte ich beinahe übersehen, man musste schon den Löffel tief in den köstlichen Schaum tauchen, um bis zum köstlichen Apfel vorzustoßen. In Kombination war diese Nachspeise sensationell und eines der Besten während meiner Restauranttests im vergangenen Jahr.

Brasserie Colette München

Klenzestraße 72 (Glockenbach)

Mo – So 18 – 23 Uhr

Webseite: https://www.brasseriecolette.de/de/muenchen

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